Schleim hat einen denkbar schlechten Ruf. Wem ein „schleimiger Charakter“ attestiert wird, der ist gesellschaftlich unten durch. Dabei ist Schleim eminent wichtig für fast alle Bereiche und Funktionsweisen unseres Körpers. Zeit für eine Rehabilitation.
Schwer zu sagen, wann der Schleim seine Reputation eingebüßt hat. In der Antike war er noch hoch angesehen und zählte zu einem der vier Körpersäfte, deren Gleichgewicht Gesundheit symbolisierte. Dass der griechische Begriff für Schleim – „Phlegma“ – in der Folge auch auf menschliche Züge angewandt wurde, hatte mit seiner langsamen, schwerfälligen Art der Fortbewegung zu tun: Schleim kann zwar sehr vielseitig sein, aber er ist halt eher zähflüssig.
„Schleim erleichtert das Leben“, wie es der SPIEGEL-Autor Jörg Blech* einmal auf eine kurze Formel brachte. Und er verwies darauf, dass wir ohne dienstbaren Schleim weder essen noch riechen könnten, nicht schmecken, nicht atmen und auch keinen Sex haben. Damit ist noch nicht einmal annähernd beschrieben, welche zentralen Funktionen der Schleim im Darm steuert, unter anderem: „Ohne den Glitsch wäre jeder Stuhlgang ein stundenlanger Kraftakt“.

Mucus, so sein vornehmer lateinischer Name, macht sich quasi überall verdient, in den Augen, in der Nase, im Rachen, im Magen und dem weiteren Verdauungstrakt bis hin zum Anus. Auch im Genitaltrakt spielt er eine große Rolle. Manchmal ist er da, wo er nicht sein soll, manchmal ist die Menge zu wenig, und dann kann Schleim sogar bei der Pathophysiologie von Erkrankungen von Bedeutung sein. Im Schnitt produziert der menschliche Körper pro Tag ca. 1 bis 1,5 Liter Schleim.
„Würde man sämtliche Schleimhäute des Körpers auseinanderdröseln und ausbreiten“, rechnet Blech vor, „überzögen sie Hunderte Quadratmeter. Das Sekret bildet einen zähen Film, der den Körper vor Schadstoffen und Krankheitserregern schützt. So bewahrt die Schleimhaut des Magens das Organ vor der eigenen Säure.“
Was ist Schleim genau – außer „eklig“?
Schleim bzw. Mucus ist ein viskoelastisches Gel, das zum größten Teil aus Wasser besteht und durch Mucine (Glykoproteine) seine typisch zähe Konsistenz bekommt. Auch beteiligt sind komplexe Kohlenhydrate (Polysaccharide) sowie Enzyme, Antikörper und Salze.
Diese Schleimschichten dienen als physikalische Barriere, zum Schutz vor Austrocknung, als Gleitmittel sowie zur Abwehr von Pathogenen auf Schleimhäuten, etwa im Darm und in den Atemwegen.

Gebildet wird der Schleim entweder von sogenannten Becherzellen in der „Schleimhaut“ – der Name ist Programm – oder in Drüsenstrukturen, wie sie in Speicheldrüsen vorkommen. Der Mucus muss aber nicht immer und überall eine zähe Konsistenz haben. Je nach Produktionsort und Aufgabe kann er auch mal dünnflüssig sein.
Generell lässt sich sagen, dass Mucus Epithelzellen als organspezifische Schutzbarriere überzieht und so zu verhindern versucht, dass Pathogene eintreten können. Je dichter der Schleim auf der Schleimhaut, desto stärker die Barriere gegen Eindringlinge. Gleichzeitig schützt er vor mechanischen Reizungen und unterstützt immunologische Funktionen.
Dies alles geschieht, ohne dass wir etwas davon mitbekommen. Aber auch für das Wohlbefinden ist die schleimige Wirkweise wichtig: Trockene Augen z. B. oder ein trockener Mund können die Lebensqualität ganz schön einschränken. Wenn man die verschiedenen Organe betrachtet, zeigt sich, wie vielseitig der Schleim ist und sein muss, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden.
In den Atemwegen benötigen wir eher dünnflüssigen Mucus, weil er durch die Flimmerhärchen transportiert werden muss. Durch die Atemluft eindringende Viren, Bakterien und Partikel können direkt gebunden und durch die Zilienschläge (eine Art Abklopfmechanismus) in Richtung Rachen transportiert werden. Das macht den respiratorischen Mucus zum Teil der primären Immunabwehr.

Doch besonders die oben genannten Mucine packen noch einen drauf. So hat sich gezeigt, dass die Immunfunktion des Schleims nicht nur durch den reinen Barriereeffekt zustande kommt, sondern dass die im Schleim enthaltenen Mucine die Signalübertragung der Pathogene stören und diese effektiv aufhalten können. Auch das Immunglobulin IgA ist in die Schleimschicht eingelagert und hindert Keime daran, sich festzusetzen. Konsequenterweise nennt es sich hier sIgA (das s steht für Schleimhaut).
Bakterielle Strategien gegen Viren
Die Effektivität des sIgA hängt allerdings vom Vorhandensein bestimmter Bakterien ab, z. B. vom Bifidobacterium animalis ssp. lactis. Diese und weitere Mechanismen macht sich eine bakterielle Strategie gegen Viren zunutze. Um Viruserkrankungen vorzubeugen, wird mit passenden Bakterienstämmen u. a. die Mucusproduktion angeregt oder durch Blockade von Virus-Rezeptoren an der Oberfläche von Epithelzellen der Eintritt des Virus in die Zelle erschwert.
Glücklicherweise gibt es ein Probiotikum (OMNi-BiOTiC® Pro-Vi 5), das genau diesen Bakterienstamm (Bifidobacterium animalis) enthält und sich um die Balance unseres Immunsystems verdient macht. Wie wichtig dies ist, zeigt sich, wenn die Barrierewirkung des Schleims gestört ist, z. B. durch eine hohe Feinstaubbelastung, was sonst schnell und gar nicht so selten zu schlimmen Erkrankungen führen kann.
Ist der Mucus genetisch zu zähflüssig, z. B. aufgrund eines Ionentransporterdefekts wie bei der Mukoviszidose, kann er nicht abtransportiert werden – es kommt in der Folge zu häufigen Atemwegsinfekten. Auch andere sekretproduzierende Organe sind genetisch davon betroffen – etwa die Bauchspeicheldrüse oder die Gallenblase. Die vielen Atemwegsinfekte mit oftmals schwerem Verlauf führen zu strukturellen Umbauten der Lunge und sind im Endeffekt meistens auch der Grund für eine verkürzte Lebensdauer!
Mehr zur Mukoviszidose können Sie hier nachlesen:
Auf zum nächsten Organ: Der Schleim im Magen wird von den Nebenzellen gebildet. Dies ist besonders wichtig, da von den ebenfalls in der Magenschleimhaut ansässigen Haupt- und Belegzellen der saure und somit recht aggressive Verdauungssaft produziert wird. Ohne die schützende Schleimschicht würde die sensible Magenschleimhaut angegriffen, und es käme zu Erosionen und Schmerzen.
Wer sich auch nur anfänglich mit dem Thema Darmgesundheit befasst hat (oder regelmäßig diesen Blog verfolgt), weiß, dass sich auch im Darm eine Schleimschicht breitmacht, die als Zuhause für das Darmmikrobiom gilt.
Eine oberflächliche Schicht, die dem Darmlumen zugewandt ist und die tieferliegenden Schichten schützt, hält pathogene Bakterien davon ab, direkt auf unser Darmmikrobiom zu treffen. Kein Zufall! Die Darmbakterien befinden sich nämlich eher in den tieferliegenden Darmwandschichten. Würden aber „gute“ und „schlechte“ Bakterien andauernd aufeinandertreffen, hätte dies ständige Reaktionen des Immunsystems und somit Entzündungen zur Folge. Exakt das, was bei gestörten Darmbarrieren der Fall ist.

Blech illustriert die Rolle des Schleims im Darm auf seine Weise: „Dort hilft er nämlich nicht nur als fabelhaftes Abführmittel, sondern er bildet die Grenze zwischen dem menschlichen Körper und Billionen von Bakterien, die im Darm leben. Diese Grenze ist einige Hundert Mikrometer dünn und besteht aus zwei Schichten. Die innere liegt direkt auf den Darmzellen und ist so zäh, dass kein Bakterium in sie eindringen kann. Die äußere Schicht dagegen ist weicher und stellt eine Art Mixed Zone für Bakterien dar.“
Doch Mucine erfüllen noch eine andere, wichtige Funktion: Diese Bestandteile des Schleims dienen nämlich als Nährstoffquelle für Darmbakterien und fördern so die Diversität und Gesundheit des Darms. Das Bakterium Akkermansia muciniphila z. B. hat sich sogar auf den Abbau von Mucinen spezialisiert und wird mit metabolischer Gesundheit assoziiert, also einem Zustand optimaler Stoffwechselfunktion. Ganz großes Theater!

Das ist jedoch nur ein Nebeneffekt. In erster Linie ist das Bakterium Akkermansia muciniphila zuständig für die Produktion von hoch-viskösem Schleim, der zur Stärkung der Darmbarriere beiträgt, damit fremde Keime, aber auch schädliche Stoffe die Darmschleimhaut nicht überwinden und in die Blutbahnen gelangen können!

Wirksam unterstützen können wir dieses eminent wichtige Darmbakterium durch eine spezielle Kombination aus hochwertigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie wertvollen kurzkettigen Kohlenhydraten (Präbiotika), wie sie in OMNi-LOGiC® PLUS versammelt sind.
Dieses Präbiotikum dient sowohl Akkermansia muciniphila als auch dem Faecalibakterium prausnitzii als Nahrung. Auch dieser Darmbewohner hat nämlich eine wichtige Funktion, indem es spezielle Fettsäuren produziert, die wiederum die Darmschleimhaut mit Energie versorgen und so die „Tight Junctions“ stärken.
Überwiegen pathogene Keime im Mikrobiom oder ist das Verhältnis verschoben, haben wir es mit einer Dysbiose zu tun. Dies kann zur Folge haben, dass mehr Enzyme gebildet werden, die Mucin abbauen. Oft schädigen diese auch die Schleimbarriere und dringen tiefer ein, was einen Barriereverlust und Entzündungen zur Folge hat.Und wo wir schon mal so weit unten sind, lassen Sie uns noch ein Organ tiefer betrachten: Viele Frauen schenken einer bestimmten Schleimart viel Beachtung – sogar fast täglich: dem Zervixschleim. Man kann die Veränderung des Zervixschleims beobachten, um daraus Schlüsse für die natürliche Verhütung zu ziehen.
Je nach Zyklusphase verändert sich die Konsistenz und Farbe des Zervixschleims, woraus man in Kombination mit einer täglichen Körpertemperaturmessung folgern kann, ob aktuell eine fruchtbare oder nicht fruchtbare Phase besteht. So erleichtert dünnflüssiger Zervixschleim Spermien die Passage durch den weiblichen Genitaltrakt, wohingegen dickflüssiger Schleim das Eindringen von Spermien verhindert.
Gesunder Zervixschleim wirkt pH-regulierend, antimikrobiell und fördert die Vaginalflora, die überwiegend aus Laktobazillen besteht. Gibt es hier eine Störung der Schleimproduktion, kann dies zu einer erhöhten Infektanfälligkeit und ggf. zu Fruchtbarkeitsproblemen führen.
Auch hier gibt es ein Probiotikum, das ich Frauen, die einen Kinderwunsch hegen, gern empfehle: Die vier Lactobazillen-Stämme in OMNi-BiOTiC® WOMAN sind nämlich erwiesenermaßen in der Lage, den Zervixschleim zu regulieren!

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig die Abneigung gegen Schleim nehmen … und Sie womöglich sogar für diese Superflüssigkeit begeistern! Denn ohne Schleim – machen wir uns nichts vor – würden wir unweigerlich abschmieren.
Herzlich
Ihre
Dagmar Praßler
* Alle wörtlichen Zitate entstammen einem Artikel im SPIEGEL (Ausgabe 55/2017) mit dem Titel „Wie falsche Ernährung den Darm zerstören kann“ © Jörg Blech
Titelbild: © AliSnapz / shutterstock
Mucus
In meinem Blog beschreibe ich regelmäßig Erfahrungen aus meiner Praxis, insbesondere den Verlauf einiger konkreter Behandlungen. Ich weise darauf hin, dass die beschriebenen Verläufe Einzelfälle sind und keine allgemein verbindlichen Rückschlüsse daraus gezogen werden können. Andere Menschen können anders reagieren, auch wenn sie die gleiche Behandlung erfahren. Neben den von mir beschriebenen Produkten gibt es fast immer auch weitere von anderen Herstellern.
Es handelt sich in den Beschreibungen um meine subjektiven Wahrnehmungen, ein Heilversprechen ist darin nicht zu sehen. Bei Beschwerden sollten Sie grundsätzlich ärztlichen Rat oder den einer Heilpraktikerin / eines Heilpraktikers einholen.
Im Wechsel zu den Berichten aus der Praxis widme ich mich hier aber auch (unter dem Rubrum „News“) aktuellen Studien, die ich für erwähnenswert halte oder einen direkten Bezug zum Mikrobiom haben. Auch hier handelt es sich ausschließlich um redaktionelle Beiträge.







