AdenomNebenschilddrüsenParathormonDen wenigsten Menschen ist bewusst, dass es Nebenschilddrüsen gibt, dabei haben wir vier davon (einige unter uns sogar noch mehr!). Wenn die allerdings zur Überfunktion neigen, muss gehandelt werden.

„Um ehrlich zu sein, wusste ich bisher gar nicht, dass ich sowas wie Nebenschilddrüsen habe“, gestand meine Patientin Pia (37)*. Damit ist sie wahrscheinlich nicht allein, obwohl wir doch deren vier besitzen – und manche Menschen sogar noch mehr!

Dieses Nichtwissen endet erst, wenn die Nebenschilddrüsen erkranken und anfangen, zu viel zu arbeiten. So auch in Pias Fall, bei der eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen diagnostiziert wurde.

Es handelt sich hier um relativ kleine, unscheinbare Organe, die meistens auf beiden Seiten der Schilddrüse, jeweils am oberen und unteren Pol, lokalisiert sind. Ihre Hauptfunktion ist die Produktion des Parathormons, und das spielt eine eminent wichtige Rolle im Kalzium- und Phosphatstoffwechsel des Körpers.

Das Parathormon stellt einerseits das Kalzium parat, andererseits bewirkt es eine verringerte Kalziumausscheidung in der Niere – folglich steigen die Kalziumspiegel im Blut – und eine vermehrte Ausscheidung von Phosphat in den Urin, wodurch der Phosphatspiegel im Blut sinkt. 

Da das Parathormon den Knochenabbau fördert, wird hierüber ebenfalls Kalzium ins Blut freigesetzt. Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, medizinisch: Hyperparathyreoidismus, hat deshalb gravierende Auswirkungen auf die Knochen, aber auch auf andere Organe. Dazu gleich mehr. 

Parathormon (PTH), Phosphat und Vitamin D3 sind ein wichtiges Trio, das den Kalzium-Haushalt steuert.

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Phosphat ist ein lebenswichtiger Mineralstoff. Im Körper sorgt es für den Aufbau von Knochen und Zähnen, die Bereitstellung von Zell-Energie, den Aufbau des genetischen Materials (DNA/RNA) und die Regulierung des Säure-Basen-Haushalts. 

All das hatte ihr Arzt auch schon angedeutet, aber so ganz klar waren Pia die Zusammenhänge noch nicht. Wie auch? Nach der Diagnose war sie viel zu aufgeregt gewesen, aber jetzt nahmen wir uns die Zeit, ein paar Dinge näher zu beleuchten – zum Beispiel, wieso das Kalzium so wichtig für unseren Körper ist und die Menge an Kalzium im Blut so entscheidend. Der größte Teil des Kalziums in unserem Körper (etwa 99%) ist in den Knochen gespeichert. 

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Neben der Funktion als Knochenbestandteil übernimmt Kalzium noch weitere wichtige Aufgaben im Körper, beispielsweise bei der Blutgerinnung oder der Kontraktion von Muskelzellen. Für die ist der Kalziumspiegel im Blut entscheidend – er darf also nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein. Und um diesen Spiegel zu steuern, kommt das eben erwähnte Parathormon ins Spiel.

„Aber wie kommt es zu so einer Erkrankung?“, insistierte Pia und ergänzte, was sich alle Betroffenen fragen:

Für eine Antwort auf diese verständliche Frage gilt es zunächst die drei Formen der Nebenschilddrüsen-Überfunktion zu unterscheiden: Die Ursache einer primären Überfunktion der Nebenschilddrüsen sind meist Adenome, also gutartige Fehlbildungen der Nebenschilddrüsen. Aber auch eine Vergrößerung aller vier Nebenschilddrüsen und (in sehr seltenen Fällen) eine bösartige Neubildung der Nebenschilddrüsen können Auslöser dieser Überfunktion sein. 

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Die sekundäre Überfunktion, die durch einen Mangel an Vitamin D und / oder einen Kalziummangel bedingt ist, wird häufig durch chronische Nierenerkrankungen ausgelöst, die dann zu einer reduzierten Bildung von aktiviertem Vitamin D führen. Das „Sonnenvitamin“ D aber ist entscheidend für die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und deshalb auch sehr relevant für unsere Knochen. Als Reaktion auf diesen Mangel schütten die Nebenschilddrüsen dann vermehrt Parathormon aus.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es da noch eine tertiäre Überfunktion der Nebenschilddrüsen gibt, die sich als Folge einer sekundären Überfunktion entwickeln kann. Eine lang andauernde Stimulation der Nebenschilddrüsenfunktion kann deren Regulation durch ihren normalen Regelkreis stören. In der Folge schütten die Nebenschilddrüsen dauerhaft große Mengen an Parathormon aus.

Warum ist es so wichtig, die richtige Form der Nebenschilddrüsen-Überfunktion zu identifizieren? Es geht dabei vor allem um die Wahl der richtigen Therapie. Aber wie bemerkt man überhaupt, ob die Nebenschilddrüsen „überfunktionieren“?

Meine Patientin hatte – wie die meisten Leidensgenossinnen – lange Zeit gar keine spezifischen Symptome wahrgenommen. Tatsächlich bleibt eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen häufig lange unentdeckt. Wer den Merkspruch „Stein-, Bein- und Magenpein“ nicht kennt, kann auch die typischen Symptome einer Überfunktion kaum zuordnen. 

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Der sinnige Spruch fasst NierensteineMuskelschwäche, eine Verringerung der Knochendichte und ein erhöhtes Risiko für Magengeschwüre zusammen. Zumindest eines dieser Symptome war auch bei Pia festgestellt worden, als sie nämlich wegen eines Nierensteins im Krankenhaus behandelt werden musste.

Schon vorher war sie mehrere Monate lang „neben der Spur“ und hatte oft mit Verstopfung zu kämpfen. „Meine Stimmung war total im Keller“, erinnerte sie sich an diese Zeit. Später habe sie dann erfahren, dass eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen auch zu depressiven Schüben führen könne. 

Weitere latente Folgen der Erkrankung sind Gefäßverkalkungen durch die erhöhten Kalziumspiegel sowie Knochenbrüche aufgrund der verringerten Knochendichte. Pia war auch jetzt noch schockiert, wenn sie daran dachte, was ihr alles hätte blühen können, wenn die Überfunktion ihrer Nebenschilddrüsen nicht erkannt worden wäre!

Dabei reicht für die Diagnose einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion meist schon eine einfache Laboruntersuchung. Hier werden die Spiegel von Kalzium, Phosphat und Parathormon bestimmt. Diese zeigen dann bei den drei oben beschriebenen Formen typische Veränderungen. Um herauszufinden, ob ein Adenom einer Nebenschilddrüse für die Überfunktion verantwortlich ist, kann auch eine Ultraschalluntersuchung erfolgen.

„In acht Wochen habe ich einen OP-Termin, bei dem meine Nebenschilddrüsen entfernt werden sollen“, hatte Pia mir gleich zu Beginn verraten. In der Tat ist die operative Entfernung der Nebenschilddrüsen die Therapie der Wahl bei einer primären Nebenschilddrüsen-Überfunktion.

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Ein wenig Angst habe sie schon vor der OP, gestand Pia, „aber es hieß, es sei kein großer Eingriff“. Angesichts der Fallzahlen (ca. ein bis fünf Betroffene pro Tausend) gelten solche OPs als Routinemaßnahme. Aber so ganz traute meine Patientin dem Frieden nicht: „Was passiert denn genau bei der Operation?“, wollte sie wissen. 

Das kommt ganz darauf an, ob sich alle vier Nebenschilddrüsen vergrößert zeigen oder nicht. Wenn ja, würde man sie alle entfernen, wenn nicht, nur die vom Adenom befallene(n). Falls es aber allen vieren an den Kragen gehen sollte, würde sich natürlich sogleich die Frage stellen, wie Pias Körper künftig das Parathormon bekommen soll.

Deswegen würde in so einem Fall eine Nebenschilddrüse beziehungsweise ein Teil einer Nebenschilddrüse zum Beispiel im Bereich des Armes wiedereingepflanzt. Die Produktion des Parathormons funktioniert dort genauso gut wie an der ursprünglichen Position. Außerdem wäre so der Zugang zur Nebenschilddrüse bei erneuter Entwicklung eines Adenoms mit einem kleinen Eingriff möglich.

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„Schon ein komisches Gefühl, dass ich vielleicht bald eine Nebenschilddrüse in meinem Arm haben soll“, meinte Pia. Trotzdem war sie froh, dass sie durch den Eingriff das Risiko für weitere Nierensteine oder Knochenbrüche senken konnte. „Ich bin jetzt 37, da kann die Osteoporose ruhig noch ein paar Jahre warten“, befand sie, und ich konnte ihr nur beipflichten. 

Da ihr OP-Termin erst für acht Wochen später anberaumt war, wollte Pia von mir wissen, worauf sie in dieser Zeit besonders achten solle. Ich riet ihr zu einer eher kalziumarmen Ernährung mit möglichst wenigen Milchprodukten. Auch Grünkohl, Blattspinat und Tofu enthalten viel Kalzium – die sollte sie deswegen in den nächsten Wochen möglichst meiden.

Wichtig ist außerdem eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme von zwei bis drei Litern pro Tag. So kann die Ausscheidung des überschüssigen Kalziums erleichtert werden.

Um Pias Knochen zu stärken, riet ich ihr dringend zu regelmäßiger Bewegung. Das stärkt die Knochen und wirkt dem Knochenabbau entgegen!


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Die Wahl der richtigen Sportart ist dabei allerdings wichtig: 

Gezielte Belastung durch das eigene Körpergewicht regt nämlich die Knochenbildung an und hilft, die Knochendichte zu erhalten. Die mechanische Belastung der Knochen durch Schwerkraft und Bewegung sendet Signale an den Körper, die den Einbau von Kalzium in die Knochenstruktur fördern (sogenanntes mechanisches Remodelling):

Wer in dieser Aufzählung das Radfahren vermissen sollte: Auch das ist natürlich gesund, aber nicht die erste Wahl beim Fokus auf die Knochengesundheit, weil das Körpergewicht beim Radfahren größtenteils vom Sattel getragen wird. Es fehlen daher die mechanischen Stoßbelastungen („impact“) und die auf das Skelett einwirkende Schwerkraft.

„Ich fahr’ zwar ziemlich viel mit dem Rad, aber ich mach’ auch gern Nordic Walking“, meinte Pia. „Bestens“, bestärkte ich sie, „aber bitte regelmäßig“. 

Mehr Informationen zum Thema Osteoporose finden Sie hier: 

Viele hormonelle Prozesse im Körper werden durch das Darmmikrobiom beeinflusst. Das gilt auch für den Knochenstoffwechsel. So weisen z. B. Menschen mit höherer Knochendichte eine größere Menge an Firmicutes-Bakterien und weniger Bacteroidetes auf.

Verschiedene Vertreter der Firmicutes produzieren kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat. Dazu zählt z. B. das Faecalibacterium prausnitzii, über das ich schon häufig geschrieben habe. Aber es gibt noch andere bedeutende Butyrat-Produzenten, u. a. Eubacterium rectale, Roseburia intestinalis und Eubacterium hallii. 

Diese wirken entzündungshemmend und regulieren die Aktivität der knochenaufbauenden (Osteoblasten) und knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten).

Außerdem ist mittlerweile bekannt, dass die Wirkung des Parathormons am Knochen durch bestimmte Immunzellen beeinflusst wird. Diese sogenannten Th17-Zellen aktivieren die Osteoklasten, die Knochensubstanz abbauen. Man spricht hier von der Osteoimmunologie.

Pathogene Darmbakterien, Entzündungen oder eine unausgewogene Ernährung können die Vermehrung dieser Th17-Zellen im Darm drastisch fördern. Eine entzündungshemmende Rolle hingegen spielen regulatorische T-Zellen (Tregs). Diese unterdrücken die Osteoklastenaktivität und fördern so den Knochenaufbau. 

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Das Gute: Mit bestimmten Probiotika wie z. B. OMNi-BiOTiC® 6 lässt sich genau das gezielt unterstützen! Ich habe ja schon häufig darüber geschrieben, dass insbesondere OMNi-BiOTiC® 6 und OMNi-BiOTiC® PANDA bekannt sind für ihre Wirkung auf regulatorische Immunzellen wie Tregs. Das spielt z. B. bei der Neurodermitis eine wichtige Rolle, aber offensichtlich haben die darin enthaltenen Bakterienstämme auch einen erheblichen Einfluss auf die Knochengesundheit!

So vermuten Wissenschaftler auch, dass die Abnahme der Knochendichte bei der primären Überfunktion der Nebenschilddrüsen u. a. stark von der Zusammensetzung des Darmmikrobioms abhängt. Das würde ich sofort unterschreiben, deckt es sich doch mit meiner ganzen Mikrobiom-Erfahrung.

„Wahnsinn, wo Darmbakterien überall mitreden“, staunte Pia. Wenn sie wüsste, was unsere Darmbakterien sonst noch alles zustande bringen …

Um nun die für Pia wichtigen Darmbakterien gezielt zu stärken, empfahl ich ihr ergänzend das Präbiotikum OMNi-LOGiC® PLUS. Es enthält eine spezielle Kombination aus hochwertigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie wertvollen kurzkettigen Kohlenhydraten wie Fructo-Oligosacchariden (FOS) und Galacto-Oligosacchariden (GOS), die den Butyrat-bildenden Bakterien als Nahrung dienen. 

Da an diesen aber bei den meisten Menschen ein Mangel herrscht, sollte OMNi-LOGiC® PLUS langsam eingeschlichen werden mit max. einem Teelöffel pro Tag (sonst reagiert der Darm mit Blähungen). Erst wenn sich die Butyratbildner vermehrt ansiedeln konnten, darf die Dosis langsam gesteigert werden. 

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Mit all den Tipps im Gepäck fühlte sich Pia gut gerüstet, um die Wartezeit bis zu ihrer Operation zu überbrücken. Und sie war fest entschlossen, auch danach mehr auf ihre Knochen- und Darmgesundheit zu achten. Ich war mir sicher, dass sie es auch durchziehen würde. 

Aber ob mit oder ohne Nebenschilddrüsen – zumindest den Appell zu regelmäßiger Bewegung sollten wir alle beherzigen. Umso länger können wir uns an heilen Knochen erfreuen!

Herzlich 

Ihre
Dagmar Praßler

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