Schätzungsweise 25 % Prozent aller Menschen haben mit diesen lästigen Stellen im Mund zu kämpfen, die wir unter dem Namen Aphthen kennen – oft sogar wiederkehrend. Auch für mich war es nicht die erste Patientin, die mit solchen Beschwerden an meine Tür klopfte …
„Ich geh’ mal davon aus, dass sie total harmlos sind, aber wie man Menschen Schmerzen bereiten kann, haben sie wirklich drauf“, beklagte sich meine Patientin Milla* (25). Gemeint waren „diese fiesen Aphthen im Mund“, die bei ihr zum wiederholten Mal aufgetreten waren. Klar, dass sie wissen wollte, was man gegen die nervigen Stellen tun kann – nicht nur im Akutfall, sondern auch prophylaktisch.
Für alle, die zu den glücklichen 75 % gehören, denen solche Aphthen fremd sind: Es handelt sich um entzündliche Defekte der Mundschleimhaut, die oft weiß oder gelblich belegt sind. Je nach Größe unterscheidet man zwischen Minor- und Major-Aphthen. Erstere sind bis 0,5 cm groß und heilen nach ein bis zwei Wochen meist folgenlos aus. Major-Aphthen treten oft gehäuft auf, heilen langsamer ab und lassen kleine Narben zurück.

Für deren Entstehung mag es zahlreiche Auslöser geben. So wird vermutet, dass Verletzungen der Schleimhaut etwa durch Zähneputzen, Stress, Virusinfektionen oder Nahrungsmittel- oder Zahnpastabestandteile Aphthen auslösen können. Auch ein Mangel an Vitamin B12, Eisen oder Folsäure kann möglicherweise zur Bildung von Aphthen beitragen.
Besser mit Haftungsausschluss
Wiederkehrende Aphthen können nämlich durchaus auch auf autoimmun-vermittelte Erkrankungen wie Zöliakie oder einen Morbus Behçet hinweisen – eine Entzündung von Gefäßen, die zum rheumatischen Formenkreis gehört.
Außerdem, auch dies kann ich aus meiner praktischen Erfahrung bestätigen – sind Aphthen häufig Begleitsymptome von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Bei Morbus Crohn können sich durch den Entzündungsmechanismus tiefe Geschwüre, Risse oder Schwellungen direkt in der Mundhöhle bilden.
Vor allem, wenn neben den Aphthen weitere Symptome auftreten, beispielsweise weitere Aphthen im Bereich der Genitalschleimhaut oder bei fehlender Abheilungstendenz nach zwei Wochen, sollte die Läsion ärztlich abgeklärt werden. „Bei mir haben sie sich zum Glück immer auf den Mund beschränkt“, schränkte Milla ein, „und nach ca. zehn Tagen waren sie dann auch meistens weg.“
Interessanterweise hatte meine Patientin aber beobachtet, dass sich immer dann Aphthen bei ihr entwickelten, wenn sie gerade einen Infekt hatte. Tatsächlich ist eine Schwächung des Immunsystems ein wichtiger Faktor, der zur Entstehung der Schleimhautläsionen beitragen kann.
Was im Akutfall hilft
Dass Aphthen – je nach Lokalisation – ganz schön unangenehm werden können, davon konnte Milla ein vielstrophiges Lied singen: „Gerade beim Essen und Trinken hat es immer mächtig genervt“, berichtete sie, „aber selbst Zähneputzen war ziemlich schmerzhaft“.
Zum Stichwort Mundhygiene riet ich Milla, mal einen gründlichen Blick auf die Inhaltsstoffe ihrer Zahnpasta zu werfen: Natriumlaurylsulfat sollte hier nicht aufgeführt sein. Der Stoff steht nämlich im Verdacht, das Auftreten von Aphthen zu begünstigen und möglicherweise auch Allergien auszulösen.
Falls nicht sowieso bereits getan, kann auch der Umstieg auf eine weiche Zahnbürste die Schmerzen beim Zähneputzen reduzieren. Generell sollte natürlich immer auf eine gute Mundhygiene geachtet werden. Schon allein, um nicht eines Morgens mit einer Depression aufzuwachen. Mehr über solche Zusammenhänge finden Sie hier:
Darauf, dass sie im Akutfall auf scharfe Gewürze oder saures Obst verzichten sollte, um die Mundschleimhaut nicht zusätzlich zu reizen, war meine Patientin schon von selbst gekommen.
Von lokal betäubenden Gels mit beispielsweise Lidocain hatte sie allerdings noch nicht gehört; auch die sind nämlich eine Option. Alternativ kann Kühlen mit Eis etwas Linderung verschaffen. Ein Geheimtipp aus der „Hexenküche“ ist Rhabarberwurzelextrakt. Der hilft nämlich nicht nur bei Wechseljahresbeschwerden, sondern wirkt auch entzündungshemmend in der Mundschleimhaut und fördert die Heilung von Aphthen.
Last, but not least, wird aufgrund der entzündungshemmenden Eigenschaften auch das Gurgeln mit Salbei- und Kamillentee empfohlen. Noch wirksamer ist das Kamillosan® Konzentrat. Die Extrakte aus dem Öl der Kamillenblüte haben eine entzündungshemmende, antibakterielle und wundheilungsfördernde Wirkung. Wer noch mehr Tipps braucht zur Aphten-Behandlung, möge es mit Propolis, Kardamom oder Süßholz versuchen.
Als Biotop verkannt, weil es den Mund hält
So sehr in den letzten Jahren auch das Darmmikrobiom Furore gemacht hat – das Mikrobiom im Mund hat offenbar noch nicht den Weg in die Zeitschriften gefunden, die in den Arztpraxen ausliegen, obwohl es doch bis zu 1.000 verschiedene Bakterienarten beherbergt!
Eine wichtige Funktion des oralen Mikrobioms ist die Immunabwehr, aber für den Schutz von Zahnfleisch und Zähnen ist es genauso wichtig. Und wenig verwunderlich spielt das orale Mikrobiom eine Rolle bei der Bildung oraler Aphthen.
Worauf Sie bei Zahnpasta und Co. achten sollten, sehen Sie hier:
Als gesichert gilt, dass eine Dysbiose des oralen Mikrobioms die Entstehung von Aphthen begünstigen und die Abheilung der nervigen Schleimhautdefekte verlängern kann. Milla schaute mich entsetzt an. Hatte sie womöglich auch eine bakterielle Fehlbesiedelung im Mund?
Jedenfalls finden sich bei Patientinnen und Patienten mit wiederholt auftretenden Aphthen weniger Bakterienstämme wie z. B. Aktinobakterien, Fusobakterien oder Bacteroidetes. Dass das Mikrobiom ein wichtiger Baustein bei der Therapie von Aphthen ist, hatte Milla offenbar verstanden, wie ihre Frage nach entsprechenden Tipps bewies.
Unverzichtbar ist natürlich eine gute Mundhygiene, die regelmäßig die Plaques auf den Zähnen entfernt. Auch die Zahnzwischenräume sollten unbedingt regelmäßig mit Zahnseide oder kleinen Interdentalbürsten gereinigt werden, um die Ansiedlung schädlicher Bakterien zu verhindern oder zumindest zu minimieren. Übrigens: Mit einer möglichst zuckerarmen Ernährung hungert man solche unerwünschten Bakterien aus …

Die ayurvedische Heilkunde setzt beim Thema orale Gesundheit vor allem auf Ölziehen. Dabei nutzt man etwa Kokos- oder Sesamöl, das für mehrere Minuten durch den Mund bewegt wird. Regelmäßiges Ölziehen soll gut gegen schädliche Bakterienansammlungen und Mundgeruch wirken und die Mundflora verbessern. Das ist allerdings nicht jedermanns Sache, wie mir auch Millas Gesichtsausdruck verriet.
Bakterieller Bodyguard im Mund
Einer der wichtigsten Verbündeten überhaupt, wenn man ein gesundes orales Mikrobiom haben möchte, ist allerdings ein Bakterium: Streptococcus salivarius K12 gilt als regelrechtes „Bodyguard-Bakterium“, das vor Mittelohr- und Mandelentzündungen schützt und das orale Mikrobiom besonders wehrhaft macht. Die spannende Geschichte seiner Entdeckung können Sie hier nachlesen:
Glücklicherweise ist diese Entdeckung der probiotischen Medizin nicht verborgen geblieben, und so konnte ich meiner Patientin OMNi BiOTiC® iMMUND Lutschtabletten ans Herz legen.
Neben Streptococcus salivarius K12 enthalten sie auch Vitamin D und unterstützen damit auch das Immunsystem.
Dass es so viele Maßnahmen gibt, gegen Aphthen vorzugehen – damit hatte Milla wohl nicht gerechnet. Jedenfalls verließ sie guten Mutes meine Praxis und versprach, mir demnächst zu berichten, ob und womit sie Erfolge erzielen konnte.

Und uns Glückspilzen, die bisher von Aphthen verschont geblieben sind, kann ich nur raten, die Mundhygiene ernst zu nehmen. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund, und lassen Sie keine Aphthen an sich haften!
Herzlich, Ihre
Dagmar Praßler
* Name geändert
Titelbild: © Kattiya.L @ shutterstock
In meinem Blog beschreibe ich regelmäßig Erfahrungen aus meiner Praxis, insbesondere den Verlauf einiger konkreter Behandlungen. Ich weise darauf hin, dass die beschriebenen Verläufe Einzelfälle sind und keine allgemein verbindlichen Rückschlüsse daraus gezogen werden können. Andere Menschen können anders reagieren, auch wenn sie die gleiche Behandlung erfahren. Neben den von mir beschriebenen Produkten gibt es fast immer auch weitere von anderen Herstellern.
Es handelt sich in den Beschreibungen um meine subjektiven Wahrnehmungen, ein Heilversprechen ist darin nicht zu sehen. Bei Beschwerden sollten Sie grundsätzlich ärztlichen Rat oder den einer Heilpraktikerin / eines Heilpraktikers einholen.
Im Wechsel zu den Berichten aus der Praxis widme ich mich hier aber auch (unter dem Rubrum „News“) aktuellen Studien, die ich für erwähnenswert halte oder einen direkten Bezug zum Mikrobiom haben. Auch hier handelt es sich ausschließlich um redaktionelle Beiträge.





