Was macht das Darmmikrobiom im Alter so anfällig für chronische Entzündungen, und welche Therapien könnten es wieder stabilisieren? Die Wissenschaft ist da gerade einen großen Schritt weitergekommen.
Wir singen zwar immer wieder das Hohelied der Diversität, wenn es um die Welt der Mikroben in unserem Darm geht, stellen aber kaum die Frage, wer eigentlich darüber wacht, dass es „da unten“ schön bunt und vielfältig zugeht. Dabei könnte genau dieses Wissen helfen, einem Phänomen beizukommen, das in unserer alternden Gesellschaft sehr verbreitet ist: der schwindenden Stabilität des Darmmikrobioms.
Dieser Frage ist jetzt eine Forschungsgruppe des Leibniz-Instituts für Alternsforschung und des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“ der Uni Jena nachgegangen*. Tatsache ist nämlich: „Während die mikrobielle Gemeinschaft im Darm über viele Jahre hinweg stabil bleibt, gerät sie im Alter häufig aus dem Gleichgewicht: Die Vielfalt nimmt ab, einzelne Mikroorganismen gewinnen die Oberhand und das Risiko für Entzündungen steigt.“
Die Forscher machen dafür „eine nachlassende Überwachung durch das Immunsystem“ verantwortlich, denn: „Ohne die Immunkontrolle gewinnen einzelne Mikroorganismen die Oberhand und stören das mikrobielle Gleichgewicht.“ Sie gehen sogar noch weiter und sehen „die Immunüberwachung als organisierendes Prinzip für die Stabilität des Mikrobioms während des gesamten Lebens“ an.
Über das Altern des Darms habe ich hier schon mal berichtet:
In der Krebsforschung versteht man unter Immunüberwachung „die Fähigkeit des Immunsystems, entartete Zellen frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen“. Im Darmmikrobiom scheint es allerdings weniger Hauen und Stechen gegen überführte Täter zu geben als im Abwehrkampf gegen Krebs:
„Wir gehen davon aus, dass das Immunsystem nicht primär zwischen ‚guten’ und ‚schlechten’ Mikroben unterscheidet, sondern vielmehr kontinuierlich überwacht, welche Organismen die Gemeinschaft zu dominieren beginnen.“
Das übergeordnete Ziel ist demnach ein „dynamisches Gleichgewicht“ als Voraussetzung für „die langfristige Stabilität des Mikrobioms“. Ist dieses Gleichgewicht gestört, führt es unweigerlich zum „allmählichen Verlust der immunologischen Kontrolle“ mit den bekannten Konsequenzen eines instabilen Mikrobioms im Alter.
Dies hätte zweifellos ganz konkrete „Auswirkungen auf mikrobiombasierte Therapien für ältere Erwachsene“ (und für die probiotische Praxis), die sich künftig nicht mehr allein auf die Wiederherstellung der mikrobiellen Vielfalt beschränken dürfte, sondern „gleichzeitig jene Funktionen des Immunsystems zu stärken (hätte), die das Gleichgewicht des Mikrobioms aufrechterhalten“.
Wie wir wissen, hält das Immunsystem das Gleichgewicht des Mikrobioms vor allem durch den Einsatz von sIgA-Antikörpern, die Bildung antimikrobieller Peptide und die Immun-Toleranz aufrecht. Sekretorisches IgA (sIgA) ist der wichtigste Antikörper auf den Schleimhäuten und kann durch das Fermentationsfiltrat Colibiogen reguliert werden.
Mehr über die Wirkung von Colibiogen auf das Immunsystem finden Sie hier:
Es läuft offenbar auf den guten Willen aller beteiligten Mikroben hinaus, denn: „Ein stabiles und widerstandsfähiges Darmökosystem erfordert wahrscheinlich eine Zusammenarbeit zwischen mikrobiellen Gemeinschaften und dem alternden Immunsystem“.
Der Wille zur Kooperation – das zeigt auch diese Studie erneut – ist stets eine gute Devise …
Herzlich, Ihre
Dagmar Praßler
* Alle wörtlichen Zitate entstammen einem Artikel, der ganz aktuell Anfang Juli auf dem Online-Portal des Ärzteblatt veröffentlicht wurde. © hil/aerzteblatt.de
Quelle: https://www.aerzteblatt.de/news/warum-das-darmmikrobiom-im-alter-aus-dem-gleichgewicht-gerat
Titelbild: © CI Photos shutterstock_2239876777
In meinem Blog beschreibe ich regelmäßig Erfahrungen aus meiner Praxis, insbesondere den Verlauf einiger konkreter Behandlungen. Ich weise darauf hin, dass die beschriebenen Verläufe Einzelfälle sind und keine allgemein verbindlichen Rückschlüsse daraus gezogen werden können. Andere Menschen können anders reagieren, auch wenn sie die gleiche Behandlung erfahren. Neben den von mir beschriebenen Produkten gibt es fast immer auch weitere von anderen Herstellern.
Es handelt sich in den Beschreibungen um meine subjektiven Wahrnehmungen, ein Heilversprechen ist darin nicht zu sehen. Bei Beschwerden sollten Sie grundsätzlich ärztlichen Rat oder den einer Heilpraktikerin / eines Heilpraktikers einholen.
Im Wechsel zu den Berichten aus der Praxis widme ich mich hier aber auch (unter dem Rubrum „News“) aktuellen Studien, die ich für erwähnenswert halte oder einen direkten Bezug zum Mikrobiom haben. Auch hier handelt es sich ausschließlich um redaktionelle Beiträge.







