Depressiv durch Mikroplastik

Wer hätte nicht schon längst vermutet, dass Mikroplastik – also Kunststoffpartikel, die kleiner als 5 mm sind – „irgendwie“ unserem Körper schaden. Offenbar lagen wir damit leider richtig …
Wer hätte nicht schon längst vermutet, dass Mikroplastik – also Kunststoffpartikel, die kleiner als 5 mm sind – „irgendwie“ unserem Körper schaden. Offenbar lagen wir damit leider richtig …

Unser Darmmikrobiom verändert sich durch die Aufnahme von Mikroplastik. So weit, so ungut. Laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit denen sich u. a. auch das Ärzteblatt auseinandersetzte*, ähneln diese Veränderungen solchen, „die mit Depressionen und Darmkrebs in Verbindung gebracht werden“.

Das kann eigentlich nur jene desillusionieren, die immer noch glauben, der Darm sei nur für die Verdauung zuständig. Doch über die Darm-/Hirn-Achse wird nicht zuletzt auch die psychische Gesundheit beeinflusst. Für die Forscher in der hier beschriebenen Studie war jedenfalls klar: „Eine Reduzierung der Mikroplastikexposition, wo immer möglich, ist eine sinnvolle und wichtige Vorsichtsmaßnahme.“ Das ist zweifellos richtig, leider geht die tatsächliche Entwicklung jedoch in eine andere Richtung …

Fakt ist: Über Nahrung, Getränke und verschluckte inhalierte Partikel gelangen Mikro- und Nanoplastikpartikel in den Verdauungstrakt. Und je kleiner die Partikel, desto intensiver können sie mit Schleimhaut und Epithel interagieren!

Was dies für eine bereits erkrankte Leber bedeuten kann, erfahren Sie hier:

Untersucht wurden für die hier vorliegende Studie fünf der am häufigsten vorkommenden Mikroplastiktypen. Falls Sie die äußerst komplexe Vorgehensweise im Einzelnen nachvollziehen möchten, klicken Sie gern auf die unten verlinkte Quelle. Hier nur so viel: „Mikroplastik kann die mikrobielle Zusammensetzung verändern, indem es physikalische oder chemische Umgebungen schafft, die bestimmte Bakterien begünstigen.“ (Dummerweise handelt es sich hierbei eher um pathogene als nützliche Bakteriengattungen.) 

Wie man sich das vorzustellen hat? Nun, es „könnten sich beispielsweise Biofilme auf Mikroplastikoberflächen bilden, die neue Nischen schaffen, welche wiederum von einigen Mikroorganismen bevorzugt und schneller besiedelt werden.“

Und es gibt noch andere Wege: „Mikroplastik kann chemische Substanzen transportieren, die den bakteriellen Stoffwechsel direkt beeinflussen.“ Wie auch immer – das bakterielle Gleichgewicht des Darmmikrobioms wird durch die winzigen Partikel offenbar auf vielerlei Arten und Weisen gefährdet!

© GreenOak @ shutterstock_2682076815

Experimentelle Studien zeigen mehrere miteinander verknüpfte Effekte: Beobachtet wurden neben Veränderungen der Darmflora weniger SCFA-produzierende Bakterien, oxidativer Stress sowie negative Veränderungen von Tight-Junction-Proteinen. Dadurch kann die Darmbarriere durchlässiger werden. Die Tragödie in vier Akten:

Mikroplastik → Dysbiose → Barrierestörung → Entzündung

Es mag ja etwas dramatisch klingen, wenn ich in meinen Vorträgen immer darauf hinweise, dass wir mit einer Fischmahlzeit „eine Kreditkarte mitessen würden“, aber im Kern fühle ich mich durch diese neue Studie bestätigt. Glücklicherweise bietet die probiotische Medizin die richtigen „Tools“ für die Ausbalancierung der bakteriellen Zusammensetzung – sowohl defensiv als auch proaktiv.

In mehreren Tierstudien konnte bereits nachgewiesen werden, dass Probiotika Schäden durch Mikroplastik vermindern können! Und ganz neu ist z. B. die Beobachtung, dass einzelne, exakt definierte probiotische Stämme Mikroplastik adsorbieren und deren fäkale Ausscheidung erhöhen können!

Gerade für Themen rund um das Darmmikrobiom, SCFAs und die Darmbarriere ist noch ein Punkt besonders spannend, denn Probiotika sind vermutlich nur ein Teil der Geschichte. Präbiotische Ballaststoffe → SCFAs, insbesondere Butyrat für die Stabilität der Darmbarriere, könnten ebenfalls eine wichtige Schutzachse gegenüber Mikroplastik darstellen. Dazu gibt es inzwischen einige sehr interessante Arbeiten.

VectorMine @ shutterstock_2737180713

Meine Empfehlung an dieser Stelle: Das Darmmikrobiom unterstützen mit OMNi-BiOTiC® 10, die durch das Pfortader-System mit dem Darm verbundene Leber mit OMNi-BiOTiC® METAtox. Das scheint mir für die Plastik-Problematik die ideale Kombi zu sein. Dazu OMNi-BiOTiC® FIBRE Immun als Präbiotikum für die optimale Bildung von SCFAs und Colibiogen® zur Unterstützung des Immunsystems. 

In Zeiten wie diesen brauchen wir dringend Konzepte für den Schutz unseres Mikrobioms, das schließlich unsere gesamte physische und psychische Gesundheit umfasst.   

Lassen Sie mich mit einer positiven Note schließen: Ganz neu ist z. B. die Beobachtung, dass einzelne, exakt definierte probiotische Stämme Mikroplastik adsorbieren und deren fäkale Ausscheidung erhöhen können! Ob daraus eine wirksame Therapie für Menschen entsteht, ist zwar noch offen, aber wir stehen ja auch erst am Anfang der Erforschung des mikrobiellen Umgangs mit Mikroplastik. 

Wie man hört, gibt es ja sogar schon Mikroben, die nichts lieber tun, als Plastik zu fressen, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die vorerst noch außerhalb unseres Körpers stattfindet …

Herzlich, Ihre
Dagmar Praßler

* Alle wörtlichen Zitate entstammen einem Artikel, der im Oktober 2025 auf dem Online-Portal des Ärzteblatt veröffentlicht wurde. © son/aerzteblatt.de

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/news/mikroplastik-konnte-das-darmmikrobiom-verandern-2aef114d-2175-4bda-a7b1-e7834145f367

Titelbild: © Claire Fraser Photography @ shutterstock_1392090419

Schlagwörter:

Ähnliche Artikel