Die ketogene Diät erlebt geradezu einen „Hype“, wie es auf neudeutsch heißt, aber sie geht auch einher mit dem Risiko für Nährstoffmängel, erhöhte Cholesterin-Werte und andere ungute Begleiterscheinungen. Wie Mäuse und Menschen darauf reagieren, klären neue Studien.
Wie oft ich von Patienten oder am Rande meiner Vorträge auf die ketogene Diät angesprochen werde, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Meine erste Reaktion ist stets die gleiche: Eine solche Diät sollte nicht ohne ärztliche oder ernährungsmedizinische Begleitung langfristig durchgeführt werden, weil potenzielle Risiken damit verbunden sind, zumal die individuelle Reaktion sehr unterschiedlich ausfallen kann.
Diese Zurückhaltung wird immer wieder von der Wissenschaft bestätigt, wie zuletzt ein aktueller Artikel1 im Ärzteblatt zeigt: Demnach hat die ketogene Diät „in experimentellen Studien bei Mäusen eine Fettleber ausgelöst und die Insulinproduktion gestört.“
Aber wie funktioniert die „Keto-Diät“ eigentlich, die „ursprünglich zur Behandlung von Epilepsien bei Kindern entwickelt“ wurde und heute in erster Linie bei Adipositas und Typ-2-Diabetes angewandt wird?
„Die ketogene Diät verzichtet weitgehend auf Kohlenhydrate. Dies zwingt den Körper, in der Energieversorgung auf Ketonkörper zurückzugreifen, die in der Leber als Fettsäure hergestellt werden.“
Ketonkörper liefern Energie für Gehirn und Muskeln, sind also nützlich bei Diäten, können aber bei starker Anreicherung zu einer diabetischen Ketoazidose führen, einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung. Diese ist allerdings bei einer ketogenen Ernährung eher nicht zu befürchten.
Dennoch handelt es sich bei einer ketogenen Ernährung um einen differenzierten Stoffwechseleingriff, der nicht ohne Einfluss auf die Bakterienzusammensetzung unseres Darms bleibt. Dazu später mehr.
„Fresst, so viel Ihr wollt!“
Das ist doch mal ’ne Ansage! Bei einem Versuch mit Mäusen verglich ein Forscherteam der Universität von Utah in Salt Lake City neun Monate lang die Auswirkungen einer ketogenen Diät mit denen einer fettarmen und einer Mastkost-Diät, wobei die mit 10 % fettarme Diät noch einmal unterteilt wurde in eine Gruppe, der kohlenhydratreiche (70 %) Kost mit 20 % Proteinen zugeführt wurde und eine, für die der Proteinanteil auf 10 % reduziert wurde, sprich: mit 80 % Kohlenhydraten versetzt.

Die Mastkost entsprach dabei mit 60 % Fett, 20 % Kohlenhydraten und 20 % Proteinen „in etwa der westlichen Ernährungsweise“, während die ketogene Diät aus 0,1 % Kohlenhydraten sowie einem Kalorienanteil von 89,9 % Fett und 10 % Protein bestand. Regieanweisung für alle vier Gruppen war: „Die Mäuse durften so viel fressen, wie sie mochten.“
So weit, so überschaubar, und wenig überraschend „wurden die Mäuse unter der Mastdiät rasch adipös“. Auch bei den fettarmen Diäten „blieben die Mäuse schlank“, wie zu erwarten war. Interessant ist vielmehr, dass es auch bei der ketogenen Diät „zu einer Gewichtszunahme“ kam, und zwar „vor allem zu einer Zunahme des Fettgewebes“.
Allerdings wurden „die Nahrungsfette bei der ketogenen Diät nicht nur im Fettgewebe gespeichert, sondern auch in der Leber“.
Ab hier wurde es geschlechtsspezifisch, denn „die männlichen Tiere entwickelten eine schwere Fettleber und Störungen der Leberfunktion. Die weiblichen Tiere blieben davon verschont.“ Dafür haben die Wissenschaftler:innen bislang noch keine Erklärung.
Etwas anderes spricht laut der Forscher prinzipiell gegen eine ketogene Diät zur Behandlung von Adipositas, und das lässt sich nicht von der Hand weisen: die Fettspeicherung in der Leber. Schließlich ist bekannt, dass „die meisten adipösen Menschen bereits vor der Diät eine Fettleber haben, die sich unter der ketogenen Diät noch verschlechtern könnte“.
Überraschungen inklusive
Und nicht nur in der Leber stiegen die Fettwerte im Verlauf der ketogenen Diät an, sondern auch im Blut. Zudem wurde neben anderen Auffälligkeiten auch ein Anstieg beim Cholesterin beobachtet, was „langfristig das Risiko von atherosklerotischen Erkrankungen steigern“ könnte.
Ebenso erstaunlich ist die Beobachtung, dass die ketogene Diät den Glukosestoffwechsel negativ zu beeinflussen schien, „obwohl sie kaum Kohlenhydrate enthält und deshalb die Betazellen im Pankreas eigentlich entlasten sollte(!)“.
So zeigte sich in einem Glukosebelastungstest, dass die Blutzuckerwerte bei den männlichen Nagern sogar höher lagen als bei einer Mastdiät, was „in der Regel ein Zeichen für eine Insulinresistenz“ ist, wie sie auch beim Typ-2-Diabetes häufig vorkommt.

Zwar erwies sich die durch die ketogene Diät verminderte Insulinproduktion in den Betazellen „nach einem Wechsel auf eine fettarme Diät“ als reversibel, doch was passiert, so wird gewarnt, wenn adipöse Menschen „ihre ketogene Diät nicht einhalten und zwischenzeitig zu Süßigkeiten greifen. Die Folgen könnten deutliche und verlängerte Blutzuckerspitzen sein.“
Und überhaupt: „Eine ketogene Diät könnte das Körpergewicht senken – ob sich dies langfristig günstig auf die Gesundheit auswirke, sei jedoch zweifelhaft.“
Und was ist mit dem Darmmikrobiom?
Nicht Gegenstand dieser Versuche waren mögliche Auswirkungen auf das Darmmikrobiom, obwohl klar ist, dass eine ketogene Diät auch das bakterielle Gefüge im Darm nachhaltig durcheinanderwirbelt, denn auf molekularer Ebene macht so eine dramatische Umstellung vom Glukose- zum Ketonstoffwechsel eine ziemliche Welle, wie man sich leicht vorstellen kann.
Wie wichtig gerade dieser Aspekt ist, zeigt eine andere Studie2 aus England, die nicht den Umweg über die Mäuse wählte, sondern gleich den Versuch am Menschen machte.
Die 53 gesunden Frauen und Männer wurden in drei Gruppen eingeteilt, von denen sich die erste gesund und zuckerarm ernährte. „In der zweiten Gruppe wurde der Zuckeranteil noch weiter reduziert auf unter fünf Prozent. Die dritte Gruppe ernährte sich streng ketogen.“
Und siehe da: „Die ketogene Ernährung veränderte die Zusammensetzung des Darmmikrobioms der Probanden und reduzierte insbesondere die Bifidobakterien.“

Gerade die aber sind unverzichtbar für viele wichtige Funktionen (wenn Sie diesen Blog schon länger verfolgen, erzähle ich Ihnen hier nichts Neues): „Diese nützlichen Bakterien haben weitreichende Vorteile: Sie produzieren B-Vitamine, hemmen Krankheitserreger und schädliche Bakterien und senken den Cholesterinspiegel.“
Der erhöhte Cholesterinspiegel als Folge einer ketogenen Ernährung hatte sich ja bereits im Maus-Modell gezeigt. „Dagegen senkte die zuckerarme Diät den Cholesterinspiegel deutlich.“ Im Übrigen erwiesen sich beide Diäten als wirksam, um Körperfett zu reduzieren. Im Gegensatz zur ketogenen hatte die zuckerarme Diät aber „keinen signifikanten Einfluss auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms“.

Fakt ist leider, dass sich proteolytische Bakterien (also solche, die vornehmlich Eiweiß verstoffwechseln), unter der ketogenen Ernährung vermehren. Dies führt zum Anstieg des pH-Wertes, was wiederum potenzielle pathogene Bakterien auf den Plan ruft. Darüber hinaus produzieren proteolytische Bakterien schädliche Metabolite wie Ammoniak, Amine und Sulfide, die dann die Leber belasten.
Zu den bekannten Vertretern gehören Klebsiella, Clostridium, Proteus, Pseudomonas und das Fusobakterium, das Mund- und Darmmikrobiom entscheidend verändern kann. Da insbesondere Vollkornprodukte ballaststoffreich sind (und bei einer ketogenen Ernährung völlig entfallen), sind neben Bifidobakterien auch Laktobazillen häufig vermindert, was wiederum Einfluss auf den pH-Wert hat – und auf die Integrität der Darmschleimhaut.
Meine persönliche Empfehlung
… wenn Sie wirklich entschlossen sind, eine ketogene Diät zu machen, lautet daher: unbedingt viel ballaststoffreiches Gemüse essen! Auch Samen, Nüssen und grünen Säften Priorität einräumen. Den pH-Wert im Blick behalten, im Idealfall mit Mikrosan unterstützen. Und in jedem Fall OMNi-BiOTiC© HETOX in die Diät einbeziehen – zum Schutz der Leber!

Hilfreiche Unterstützung bieten auch Bitterstoffe, Mariendistel und Cholin – z. B. in META-CARE© Leber. Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich insgesamt so zurückhaltend bin beim Thema ketogene Ernährung …
Herzlich, Ihre
Dagmar Praßler
1 Alle wörtlichen Zitate im oberen Teil entstammen einem Artikel, der Ende Oktober 2025 auf dem Online-Portal des Ärzteblatt veröffentlicht wurde. © rme/aerzteblatt.de
Quelle: https://www.aerzteblatt.de/news/ketogene-diat-konnte-leber-und-betazellen-schadigen
2 Wörtliche Zitate im unteren Teil entstammen einem Artikel, der im August 2024 auf dem Online-Portal des „FITBOOK“ veröffentlicht wurde. © friederike ostermeyer
Quelle: https://www.fitbook.de/ernaehrung/ketogene-ernaehrung-darmmikrobiom-studie
Titelbild: © Refluo / shutterstock
Ketogene Diät
In meinem Blog beschreibe ich regelmäßig Erfahrungen aus meiner Praxis, insbesondere den Verlauf einiger konkreter Behandlungen. Ich weise darauf hin, dass die beschriebenen Verläufe Einzelfälle sind und keine allgemein verbindlichen Rückschlüsse daraus gezogen werden können. Andere Menschen können anders reagieren, auch wenn sie die gleiche Behandlung erfahren. Neben den von mir beschriebenen Produkten gibt es fast immer auch weitere von anderen Herstellern.
Es handelt sich in den Beschreibungen um meine subjektiven Wahrnehmungen, ein Heilversprechen ist darin nicht zu sehen. Bei Beschwerden sollten Sie grundsätzlich ärztlichen Rat oder den einer Heilpraktikerin / eines Heilpraktikers einholen.
Im Wechsel zu den Berichten aus der Praxis widme ich mich hier aber auch (unter dem Rubrum „News“) aktuellen Studien, die ich für erwähnenswert halte oder einen direkten Bezug zum Mikrobiom haben. Auch hier handelt es sich ausschließlich um redaktionelle Beiträge.







