Es wird Zeit, dass wir den kurzkettigen Fettsäuren für ihre unschätzbare Arbeit in unserem Körper Tribut zollen. Denn ob Alzheimer, COPD, Bluthochdruck oder Krebs – SCFAs können die Entstehung solcher Krankheitsbilder im Ansatz stoppen!
Kurzkettige Fettsäuren (Short-Chain Fatty Acids, SCFAs) sind wichtige Metabolite, die durch die Fermentation von Ballaststoffen durch die Darmmikrobiota entstehen. Diese SCFAs – allen voran Essig-, Propion- und Buttersäure – sind an zahlreichen physiologischen und pathologischen Prozessen im menschlichen Körper beteiligt, darunter dem Stoffwechsel des Wirts, der Immunregulation und der Regulation des Appetits.
Neuere Studien zur Darm-/Hirn-Interaktion* haben gezeigt, dass SCFAs an der Prävention und Entwicklung vieler neurodegenerativer Erkrankungen, einschließlich der Alzheimer-Krankheit, beteiligt sind. Damit ist ihr Wirkungskreis freilich noch lange nicht ausreichend beschrieben: Auch bei der Lungenkrankheit COPD, bei Hypertonie (Bluthochdruck) und sogar bei Krebserkrankungen scheint es ganz entscheidend zu sein, wie hoch der SCFA-Spiegel ist!

Um den Einfluss dieser kurzkettigen Fettsäuren besser zu verstehen, sei mir ein kurzer Exkurs erlaubt: Unser Gastrointestinaltrakt wird bekanntlich von einer Vielzahl von Mikroorganismen besiedelt, darunter Bakterien, Viren, Archaeen, eukaryotische Mikroben und Bakteriophagen. Keine Angst, Sie müssen sie nicht alle mit Namen kennen, gibt es doch mehr als 1.000 mikrobielle Arten und ungefähr hundert Billionen Mikroorganismen.
Die unsichtbaren Türsteher unseres Immunsystems
Die Mikrobiota produziert eine Vielzahl von Metaboliten, die an Wachstum, Entwicklung und pathologischen Prozessen des Menschen beteiligt sind, darunter Gallensäuren, neuroaktive Moleküle und besagte kurzkettige Fettsäuren. Letztere sind die am häufigsten vorkommenden Metabolite, die durch den Abbau unverdaulicher Ballaststoffe durch Darmmikroben entstehen.
Natürlich kommt es dabei wesentlich darauf an, mit welcher Kost – möglichst vielfältig und ballaststoffreich – wir unsere Darmbakterien ernähren! Aber damit erzähle ich Ihnen nun wirklich nichts Neues …
Zurück zur Studienlage: Dass besonders die Alzheimer-Krankheit (kurz: AD für Alzheimer Disease) in diesem Zusammenhang erforscht wird, liegt wohl an den erschreckenden Fallzahlen: Bis 2050 erwartet man einen Anstieg auf 150 Millionen. Schon heute gilt AD weltweit als sechsthäufigste Todesursache.

Allen bekannten Risikofaktoren für das Fortschreiten von AD läuft nach neuesten Erkenntnissen etwas anderes mittlerweile den Rang ab: ein Ungleichgewicht der Darmmikrobiota. Quintessenz aus allen Versuchen an Mäusen und Menschen: Der Nachweis ist erbracht, dass SCFAs kognitive Beeinträchtigungen verbessern können.
SCFAs beruhigen überaktive Mikrogliazellen, also die Immunzellen des Gehirns, und reduzieren entzündungsfördernde Botenstoffe. Insbesondere Butyrat wird mit weniger Amyloid-Ablagerungen im Gehirn in Verbindung gebracht.
SCFAs stärken auch die Lunge
Da die Regulation des angeborenen Immunsystems unserer Lunge nachweislich mit der spezifischen Zusammensetzung der Darmmikrobiota zusammenhängt, treten auch im Kampf gegen die COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) SCFAs wie Acetat, Propionat und Butyrat auf den Plan.
So konnte gezeigt werden, dass Ernährungsstörungen und Veränderungen in der Struktur der intestinalen Mikrobiota zu einer verminderten Produktion von SCFAs führen und deren Wirkung auf die „pulmonale Immunität“, sprich: die Abwehrkraft der Lunge, beeinträchtigen.

Auch bei der Hypertonie, die ja einen wesentlichen Risikofaktor für Herz-/Kreislauf-Erkrankungen darstellt, keimt inzwischen Hoffnung auf, dass sich mit Hilfe von SCFAs neue Therapieansätze oder Behandlungsmöglichkeiten auftun könnten.
Vieles deutet jedenfalls auf eine enge Verbindung zwischen Darmmikrobiom und Blutdruck hin. Demnach könnten SCFAs die Blutdruckregulation modulieren und – durch Verabreichung exogener SCFAs – ein erhöhter Blutdruck gesenkt werden. Auch dies ein kaum übersehbarer Hinweis auf die Wirkung unserer Ernährung.
Kurzkettig, fett … und toll als Bodyguards gegen Krebs
Doch was ist mit dem König aller Krankheiten, dem Krebs? Lässt der sich auch durch diese universelle „Geheimwaffe des Darms“ in die Schranken weisen? Nun will ich keinesfalls die Krebsforschung auf diesen einen Faktor reduzieren, denn Krebs ist stets „ein mehrstufiger Prozess, der als zelluläre und immunologische Verschiebung weg von der Homöostase betrachtet werden kann, ausgelöst durch ausgewählte Infektionserreger, Mutationen, Ernährung und Umweltkarzinogene“.
Jene Homöostase (also die Aufrechterhaltung eines stabilen inneren Gleichgewichts) trägt wesentlich zur Definition von „Gesundheit“ bei und wird – man staune – unter anderem durch die Produktion kurzkettiger Fettsäuren gesteuert.
Man weiß, dass Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmmikrobiota oder gar eine Dysbiose (Fehlbesiedelung des Darms) als bedeutender Risikofaktor für ca. zwei Dutzend Tumorarten gelten. Die Dysbiose ist oft durch verringerte SCFA-Spiegel im Stuhl sowie durch den gefürchteten „durchlässigen Darm“ (Leaky Gut) gekennzeichnet, wodurch Mikroben und von ihnen abgeleitete Moleküle die Darmwand durchdringen und dadurch chronische Entzündungen auslösen können.

Wenn die Anzahl der SCFAs aber nicht gemindert ist, können „die Kurzkettigen“ zu voller Form auflaufen: Sie schwächen Entzündungen ab, indem sie – Achtung, jetzt wird’s anspruchsvoll – „die Aktivierung des nukleären Faktors kappa B hemmen, die Expression proinflammatorischer Zytokine wie Tumornekrosefaktor Alpha verringern, die Expression antiinflammatorischer Zytokine wie Interleukin-10 und transformierender Wachstumsfaktor Beta stimulieren sowie die Differenzierung naiver T-Zellen zu regulatorischen T-Zellen fördern, die Immunreaktionen durch Immunmodulation herunterregulieren“.
Ich kann da nur meinen imaginären Hut ziehen! SCFAs wirken außerdem epigenetisch, indem sie „die Aktivität vieler Signalwege verändern, die zur Entstehung von Krebs beitragen“. Sie blockieren auch die Vermehrung von Krebsstammzellen und können dadurch möglicherweise die Krebsentwicklung oder Rückfälle verzögern oder hemmen, indem sie auf Gene und Signalwege einwirken, die in Tumoren mutiert sind.
Zudem wirken SCFAs offenbar toxisch auf Tumorzellen, jedoch nicht auf das umliegende Gewebe, was auf Unterschiede in ihrem Stoffwechselweg zurückzuführen ist. Auch mehrere typische Merkmale von Krebs sind Angriffspunkte von SCFAs.
Ich fasse zusammen: Über unsere ballaststoffreiche Ernährung fördern wir die Darmbakterien, die uns aus Dankbarkeit mit jenen Stoffen versorgen, die uns gegen die größten Krankheiten schützen. Medizinisch wirksame Präbiotika wie OMNi-LOGiC® PLUS wurden explizit zur Unterstützung dieser SCFA-bildenden Bakterien entwickelt und sind in jeder Apotheke erhältlich. Das ist mein heutiges Wort zum Sonntag.

Und für den Fall, dass Sie tiefer in die hier zitierten Studien eintauchen wollen, finden Sie die Links hier unten aufgeführt.
Herzlich, Ihre
Dagmar Praßler
* Quellen:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0753332224004852
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41645591
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37432606
Titelbild: © astel design @ shutterstock
In meinem Blog beschreibe ich regelmäßig Erfahrungen aus meiner Praxis, insbesondere den Verlauf einiger konkreter Behandlungen. Ich weise darauf hin, dass die beschriebenen Verläufe Einzelfälle sind und keine allgemein verbindlichen Rückschlüsse daraus gezogen werden können. Andere Menschen können anders reagieren, auch wenn sie die gleiche Behandlung erfahren. Neben den von mir beschriebenen Produkten gibt es fast immer auch weitere von anderen Herstellern.
Es handelt sich in den Beschreibungen um meine subjektiven Wahrnehmungen, ein Heilversprechen ist darin nicht zu sehen. Bei Beschwerden sollten Sie grundsätzlich ärztlichen Rat oder den einer Heilpraktikerin / eines Heilpraktikers einholen.
Im Wechsel zu den Berichten aus der Praxis widme ich mich hier aber auch (unter dem Rubrum „News“) aktuellen Studien, die ich für erwähnenswert halte oder einen direkten Bezug zum Mikrobiom haben. Auch hier handelt es sich ausschließlich um redaktionelle Beiträge.



