Als ob nur Morbus-Crohn-Patient:innen Lebensmittel meiden sollten, die Emulgatoren enthalten! Wenn man nämlich weiß, welche Wirkung solche Nahrungszusätze auf unsere Darmschleimhaut haben und dass der Erkrankung stets ungute Veränderungen der Mikrobiota vorausgehen, sollten wir alle diese Studie als Appell für naturbelassene Nahrung verstehen.
Die anfängliche Annahme, dass Emulgatoren in der Nahrung einen vorhandenen Morbus Crohn noch weiter triggern könnten, stammten – wie fast immer – aus Tierexperimenten. Jetzt jedoch* wurde die These erstmals an Menschen getestet:
„Gastroenterologen aus 19 britischen Kliniken haben in einer randomisierten Studie untersucht, ob eine Vermeidung der Emulgatoren in den Nahrungsmitteln die Darmentzündung bei Patienten mit Morbus Crohn lindern kann.“
Jedem, der die Informationen auf verpackten Lebensmitteln überfliegt, sind sie ein Begriff, doch was sind Emulgatoren eigentlich und wozu dienen sie?
„Emulgatoren ermöglichen die Vermischung von fettlöslichen und wasserlöslichen Substanzen. Sie werden wie Lecithin (E322) oder Pektin (E440) aus natürlichen Produkten gewonnen oder, wie Polysorbate (E432-436), chemisch hergestellt. In der EU sind derzeit etwa 60 Emulgatoren, Stabilisatoren, Verdickungs- und Geliermittel zugelassen.“
Die dunkle Seite von Emulgatoren
Dass sie aber auch chronische Entzündungsreaktionen auslösen können, weil „Emulgatoren im Darm die Schleimhautbarriere schwächen, woraufhin Darmbakterien in die Schleimhaut eindringen“, das wird von der Lebensmittelindustrie vornehm verschwiegen.
„Es wird vermutet, dass der ,westliche’ Ernährungsstil mit dem Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln für die Zunahme der Erkrankungen (der Darmschleimhaut, Anm. DP) in den hochentwickelten Ländern zumindest mitverantwortlich ist.“
Dass dies längst über den Status einer Vermutung hinausgeht und ultra-hochverarbeitete Lebensmittel sogar das Risiko für Darmkrebs erhöhen, habe ich schon viele Male betont, unter anderem hier:
Falls Sie sich jetzt darüber schlau machen möchten, wie ein Morbus Crohn eigentlich entsteht (Spoiler-Alarm: Es gibt nicht nur „den einen Auslöser“) und welche Probiotika nachweislich hilfreich in der Behandlung sind, lade ich Sie ein, hier nachzulesen:
Interessant ist jedenfalls, dass der Manifestation der Erkrankung stets eine veränderte Zusammensetzung der Bakterien (Mikrobiota) vorausgeht!
Um das Ergebnis der hier zitierten Studie gleich vorwegzunehmen: Die „Nahrungsmittel mit einem geringen Gehalt an Emulgatoren haben (…) die Darmentzündung eines Morbus Crohn innerhalb weniger Wochen signifikant gelindert“.
Wie ist man vorgegangen? „An der Studie nahmen an 19 Kliniken 154 Patienten mit einem CDAI-Wert (Crohn’s Disease Activity Index) von 150 bis 250 Punkten teil, bei denen ein fäkales Calprotectin von mindestens 150 µg/g oder ein endoskopischer oder radiologischer Befund einen akuten Schub anzeigten“.
Ein erhöhter Calprotectin-Wert im Stuhl ist ein wichtiger Indikator für eine krankhafte Ansammlung von v. a. neutrophilen Granulozyten (weißen Blutkörperchen), die in die Darmschleimhaut eindringen und Entzündungen verursachen.
Auf zwei Gruppen randomisiert, wurden den Teilnehmern anfangs „von einem Ernährungsberater Tipps zur Vermeidung von Nahrungsmitteln mit Emulgatoren“ gegeben – praktischerweise waren diese „in einer Smartphone-App aufgelistet“.
Acht Wochen lang „wurde ein Viertel der Nahrungsmittel gestellt, einschließlich Süßigkeiten“. Glücklich hätten sich die Teilnehmer der Interventionsgruppe preisen können, deren „Nahrungsmittel frei von Emulgatoren“ waren – wenn ihnen dies denn bewusst gewesen wäre.

Der Kontrollgruppe wurden nämlich mit der Nahrung „Emulgatoren wie Carrageen, Carboxymethylcellulose und Polysorbat-80“ zugeführt. Nach acht Wochen war es bei knapp 50 % der Patient:innen in der Interventionsgruppe „zu einem Rückgang des CDAI-Scores um mindestens 70 Punkte gekommen“. Zum Vergleich: In der Kontrollgruppe hatten nur 30,7 % dieses Ergebnis erreicht.
Ich will Ihre Geduld nicht überstrapazieren. Wie hoch das „adjustierte relative Risiko (aRR) für einen Therapieerfolg“ war und welche Bedenken manche Wissenschaftlerkollegen wegen der „hohen Abbrecherquote“ erhoben – all dies und mehr finden Sie in dem unten verlinkten Artikel.
Gute Chancen, die Symptome zu lindern
Andere würdigten die Studie hingegen als wegweisend: „Die Ergebnisse würden mit den Vorhersagen aus früheren Tierstudien übereinstimmen, und sie könnten den Patienten eine einfache und kostengünstige Möglichkeit bieten, ihre Symptome zu verringern“.
Leider dürfte es „für die Betroffenen schwer werden, Nahrungsmittel ohne Emulgatoren zu finden, da diese in sehr vielen Nahrungsmitteln enthalten seien“, aber es ist zu hoffen, dass die Sensibilisierung der Betroffenen für die Risiken von Emulgatoren durch diese Studie erhöht wird.

Zu meiden gilt es aber nicht nur industriell prozessierte Lebensmittel. Generell sollten im Interesse einer gesunden Mikrobiota z. B. gegrilltes und fettes Fleisch, Wurstwaren und Fritiertes wie Pommes frites sowie Kuchen, Kekse, Eiscreme, Milchprodukte, Käse und Eier nur in Maßen genossen werden.
Erfreuen können Sie Ihre Darmbakterien hingegen mit unverdaulichen Ballaststoffen, aus denen kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat gebildet werden. Damit können Sie nichts falsch machen, denn kurzkettige Fettsäuren unterstützen sowohl die Darmmuskulatur – wichtig für einen beweglichen Darm – als auch die Immunabwehr!
Hier sieht man mal wieder, wie wichtig die Art der Ernährung für unseren Darm ist. Das gilt natürlich vor allem für Patient:innen mit Darmerkrankungen, doch nicht nur diese seien gewarnt: Lesen Sie beim Kauf von industriell hergestellten Fertiggerichten, Snacks oder Softdrinks unbedingt die Verpackungsinformationen (wenn Sie’s denn nicht gänzlich lassen wollen 😉) !
Bleiben Sie gesund! Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Dagmar Praßler
* Alle wörtlichen Zitate entstammen einem Artikel, der im März 2025 auf dem Online-Portal des Ärzteblatt veröffentlicht wurde.
© rme/aerzteblatt.de
Emulgatoren gesundheitliche Wirkung
In meinem Blog beschreibe ich regelmäßig Erfahrungen aus meiner Praxis, insbesondere den Verlauf einiger konkreter Behandlungen. Ich weise darauf hin, dass die beschriebenen Verläufe Einzelfälle sind und keine allgemein verbindlichen Rückschlüsse daraus gezogen werden können. Andere Menschen können anders reagieren, auch wenn sie die gleiche Behandlung erfahren. Neben den von mir beschriebenen Produkten gibt es fast immer auch weitere von anderen Herstellern.
Es handelt sich in den Beschreibungen um meine subjektiven Wahrnehmungen, ein Heilversprechen ist darin nicht zu sehen. Bei Beschwerden sollten Sie grundsätzlich ärztlichen Rat oder den einer Heilpraktikerin / eines Heilpraktikers einholen.
Im Wechsel zu den Berichten aus der Praxis widme ich mich hier aber auch (unter dem Rubrum „News“) aktuellen Studien, die ich für erwähnenswert halte oder einen direkten Bezug zum Mikrobiom haben. Auch hier handelt es sich ausschließlich um redaktionelle Beiträge.